Eurasier

 
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Genetik II



Genetik, Teil II


Bislang haben wir uns mit Dingen beschäftigt, die größtenteils seit über 100 Jahren bekannt sind und - im Falle der Mendelschen Regeln - hoffentlich in der Schule gelehrt werden. Nun jedoch bewegen wir uns auf ein sehr neues Territorium. Die Erkenntnisse und Zusammenhänge, die ich auf dieser Seite erkläre, sind oft noch keine Dekade alt, manches weiß man erst seit wenigen Jahren
! Dafür verschaffen sie uns aber das ein oder andere Aha-Erlebnis und ermöglichen uns einen völlig neuen Umgang mit den Fellfarben beim Eurasier.

In den ersten beiden Kapiteln haben wir nur von außen auf unsere Hunde geguckt, jetzt werfen wir einen Blick ins Innere, auf die Pigmentzellen. Denn die Fellfarben sind voll und ganz von dem abhängig, was diese Zellen den ganzen Tag so treiben. Dieses Treiben wird letztlich von den Genen gesteuert, von denen hier immer die Rede ist, daher ist es langsam an der Zeit, mal einen genaueren Blick auf die Dinger zu werfen. Ein Gen ist im Grunde nichts weiter als eine Bauanleitung für ein im Organismus aktives Molekül, das Gen selber macht also überhaupt nichts. Wenn ich also schreibe, dass ein bestimmtes Gen dieses oder jenes bewirke, dann ist das streng genommen falsch, denn nicht das Gen, sondern sein Genprodukt ist der aktive Part in der Zelle. Denkt euch den Schritt vom Gen zum Genprodukt einfach dazu!

Also, die Pigmentzelle... Im Kapitel "Grundfarben" habe ich erwähnt, dass sie entweder Eumelanin oder Phäomelanin herstellen kann, niemals beides gleichzeitig. Die Anweisung dazu, welcher der beiden Pigmenttypen hergestellt werden soll, erhält die Zelle dabei von außen. Um die Nachricht in die Zelle zu befördern, benötigt man ein Kommunikationssystem, sozusagen eine Telefonverbindung. Diese Telefonverbindung ist der Melanocortin-1-Rezeptor, dessen Bauanleitung durch das Melanocortin-1-Rezeptor-Gen, kurz Mc1R, geliefert wird. Dieser Rezeptor funktioniert mal besser, mal schlechter, abhängig von der Qualität der Bauanleitung (diese Qualität ist übringes genau das, was durch die unterschiedlichen Allele eines Gens bestimmt wird.). Diese Funktionalität macht sich an der Ausdehnung des schwarzen Pigments bemerkbar, woher Mc1R auch seinen "bürgerlichen" Namen aus der Zeit vor der Molekularbiologie hat - Extension, abgekürzt E.
Moment, den Knilch kennen wir doch schon, oder? Richtig, es ist das Gen aus dem vorigen Kapitel, welches über "Weiß" und "Nicht-Weiß" entscheidet.

An diesen Rezeptor dockt nun ein ganz bestimmtes Hormon an, das Melanozyten-stimulierende Hormon, kurz
alpha-MSH (alpha deswegen, weil es mehrere von den Dingern gibt - alpha, beta, gamma). Alpha-MSH gibt immer das Kommando Eumelanin an die Zelle, also schwarzes Pigment. Wo immer ein Eurasier gerade schwarzes Pigment aufweist, hat alpha-MSH den Befehl zu seiner Bildung gegeben! Fehlt dagegen alpha-MSH, wird immer Phäomelanin, also gelbes Pigment gebildet.

Unser Mc1R-Gen hat eine ganze Reihe an unterschiedlichen Allelen zu bieten, aktuell sind fünf Stück auf molekularer Ebene entschlüsselt, einige weitere exstieren zweifellos, wenn auch nur als Postulat. Jedoch ist ihre Existenz am Phänotyp der Hunde feststellbar, allzuweit muss ich mich also nicht aus dem Fenster lehnen, wenn ich sie einfach als existent hinstelle. Im Genpool des Eurasiers kommen drei der bekannten, sowie mindestens ein weiteres, postuliertes Allel vor. Die restlichen beiden bekannten Allele sind für uns ohne Interesse, sie existieren nur bei wenigen Hunderassen. Das erste Allel, EM abgekürzt, liefert zum einen eine funktioniernde Telefonleitung in die Melanozyte und ist zum anderen in einem bestimmten Körperbereich besonders aktiv, nämlich am Kopf des Hundes, genauer gesagt, am Fang. Sichtbar wird das an der schwarzen Maske, die so viele Eurasier haben. EM ist das dominanteste Allel von allen, es reicht also eine einzige Kopie davon aus, damit ein Hund eine schwarze Maske ausbilden kann. Die nächsten beiden Allele funktionieren nicht viel schlechter, sie sind verantwortlich für die Phänotypen "keine Maske" und "Fuchsmaske", wobei letzteres rezessiv gegenüber den beiden anderen ist. "Fuchsmaske" ist nun das angekündigte postulierte Allel, daher verwende ich dafür keine eigene Bezeichnung, sondern eine Sammelbezeichnung für beide, E. Als letztes folgt das schon bekannte Allel e, es bildet das Schlusslicht in der Reihe, ist rezessiv gegenüber allen anderen. Liegt es reinerbig vor, kann kein funktionierender Mc1-Rezeptor mehr gebildet werden, es handelt sich um eine sogenannte "Loss-of-function-Mutation", alpha-MSH kann nicht mehr andocken und das Signal bleibt stur auf "Phäomelanin" stehen, woraufhin in der Zelle eben nur gelbes Pigment gebildet wird. Der Phänotyp kann von Weiß bis hin zu tiefrot variieren, je nachdem, wieviel Pigment gebildet wird, was jedoch von Genen innerhalb der Zelle gesteuert wird.
Zusammenfassung: Beim Eurasier existieren vier verschiedene Phänotypen, die durch unterschiedliche Allele am E-Locus verursacht wird: EM (schwarze Maske), E (keine Maske und Fuchsmaske) und e (Weiß).
Diese vier Phänotypen lassen sich übrigens auf die drei Ausgangsrassen zurückführen, die schwarze Maske ist ein Wolfsspitzerbe, keine Maske und Fuchsmaske brachten die Chow Chows mit und Weiß schließlich ist das Erbe des Samojeden.

Kommen wir nun zu den anerkannten Grundfarben Rot, Grau, Schwarz-Marken und Schwarz. Sie alle werden durch ein einziges Gen gesteuert, das Agouti-signalling-Protein-Gen, kurz Asip, oder Agouti-Gen, A-Locus. Prinzipiell kann es in vier verschiedenen Allelen vorliegen, dabei ist jedes Allel verantwortlich für eine der Grundfarben. Das von ihnen kodierte Agouti-signalling-Protein macht das gleiche, wie alpha-MSH - es dockt an den Mc1-Rezptor an. Allerdings stellt es dort das Signal an die Melanozyte auf Phäomelanin, also gelbes Pigment. Alpha-MSH und ASIP sind also Konkurrenten um diese Bindungsstellen und je nachdem, wie "stark" ASIP ist, gewinnt mal der eine, mal der andere. Bei einem roten Hund ist ASIP in den meisten Fällen der Sieger (Allel Ay, y für "yellow"), bei Grau (Allel aw, w für "wildtype") ist das Verhältnis nahezu ausgeglichen, bei einem Schwarz-Markenfarbenen (Allel at, t für "tan") Hund ist die Aktivität von ASIP auf den Bereich der Marken beschränkt und ein schwarzer (Allel a) Hund ist reinerbig für eine loss-of-function-Mutation, sein Agouti-signalling-Protein ist nicht mehr funktionstüchtig und überlässt alpha-MSH immer und überall den Vortritt.
Zusammenfassung: Beim Eurasier existieren vier verschiedene Allele am A-Locus, diese sind in absteigender Dominanzreihenfolge Ay (Rot), aw (Grau), at (Schwarz-Marken) und a (Schwarz). Jeder Hund kann reinerbig für seine Grundfarbe sein, ein schwarzer Eurasier ist es immer. Ein roter, grauer oder schwarz-markenfarbener Hund kann jedoch zusätlich Träger einer anderen Farbe sein, solange sie rezessiv gegenüber seiner eigenen Fellfarbe ist.
Mit vier Allelen am A-Locus stellt der Eurasier übrigens eine Seltenheit im Hundereich dar, nur bei ihm wurden bislang alle vier nachgewiesen. Wahrscheinlich gehören auch Border Collie und Deutscher Spitz zu diesem illustren Kreis, aber so gut wie alle Hunderassen haben nur ein bis drei Allele im Genpool. Der Dobermann oder der Rottweiler z. B. haben nur at, beim Collie gibt es Ay und at, beim Deutschen Schäferhund gibt es immerhin schon drei Allele: aw, at und a.
Auch hier gilt wieder, dass diese Allele jeweils auf unterschiedliche Ursprungsrassen zurückgehen: Ay und at auf den Chow Chow, aw auf den Wolfsspitz und a auf den Samojeden. Das rezessive Schwarz, a, ist übrigens ein ganz spannender Kandidat. Rezessives Schwarz wurde bislang fast ausschließlich bei einer bestimmten Gruppe von Hunderassen nachgewiesen, nämlich europäischen Schäfer- und Bauernhunden. Dies ist ein Hinweis darauf, dass es sich um eine relativ junge Mutation handelt, die sich ein einer Population verbreitet hat, die geografische und funktionelle Gemeinsamkeiten aufweist. Der einzige Ausreißer in dieser Gruppe ist der Samojede (und in Folge der Eurasier), der als nordischer Schlittenhund so gar nichts mit den anderen Rassen zu tun haben sollte. Viele Samojeden sind dazu noch für dieses Allel reinerbig, ohne, dass je gezielt darauf selektiert wurde.

Zurück zum Eurasier. Bei all dem komplizierten Zeug hier wird es langsam mal Zeit für bunte Bildchen. Bitte sehr:

Solange ein funktionierender Mc1-Rezeptor vorhanden ist, wird die Grundfarbe des Hundes von den verschiedenen Agouti-Allelen gesteuert. Wann immer das Agouti-Protein an den Mc1-Rezeptor andockt, wird in der Melanozyte Phäomelanin hergestellt. Ebenfalls im Bild sichtbar ist beta-Defensin, zu dem kommen wir später noch. 










Wenn kein funktionierendes Agouti-Protein vorhanden ist, werden die Bindungsstellen am Mc1-Rezeptor dauerhaft von alpha-MSH besetzt, welches ich hier aber nicht eingezeichnet habe. In der Melanozyte wird ausschließlich Eumelanin hergestellt.












Bei einem Ausfall des Mc1-Rezeptors wird in der Pigmentzelle nur noch Phäomelanin hergeste
llt. Je nachdem, wieviel Phäomelanin hergestellt wird, kann ein Eurasier weiß, crème oder sogar rötlich wirken. Weiß ist damit epistatisch über die Allele des Agouti-Gens (und über die des beta-Defensins), es ist egal, welcher Genotyp hier vorliegt, der Hund ist immer Weiß. Aber selbstverständlich kann ein weißer Hund verdeckt homo- oder heterozygot für alle anderen Grundfarben sein und diese auch an seine Nachkommen vererben!





Epistasie bedeutet im Prinzip nichts anderes, als dass die Wirkung eines Gens durch die Wirkung eines anderen Gens verdeckt wird.
Sie wird uns immer wieder mal begegnen.

Ich habe es schon kurz angesprochen, das dritte Gen, welches für eine der Grundfarben verantwortlich ist, nämlich Beta-Defensin, CBD103 (canines Beta-Defensin 103) oder Black, K-Locus ("K" für Black, das Symbol B ist bereits anderweitig belegt). Dieses Beta-Defensin stellt eine Besonderheit dar, da Hunde die bislang einzigen Tiere sind, bei denen dieses Gen auch bei der Fellfarbe mitspielt. Seine eigentliche Aufgabe liegt im unspezifischen Immunsystem, jedoch bildeten sich durch Mutation zwei Allele, die Fellfarben zu Folge haben, die in der Hundepopulation weltweit verbreitet sind - dominantes Schwarz und Brindle. Wann immer man einen schwarzen Hund sieht, ist in aller Regel dieses Gen für die Fellfarbe verantwortlich, Ausnahmen gibt es nur bei den oben angesprochenen Hütehunderassen und beim Eurasier. Dominantes Schwarz, Symbol KB ("B" für Black) heißt deshalb dominantes Schwarz, weil es das dominante Allel für diesen Locus ist. Als zweites in der Reihe folgt KBr ("Br" für Brindle), dieses Allel gibt es beim Eurasier nicht und schließlich das Wildtyp-Allel, ky , für das jeder Hund, der weder dominant schwarz, noch brindle ist, homozygot ist, so auch die meisten Eurasier.
KB macht genau das, was alpha-MSH und ASIP auch tun, es bindet an den Mc1-Rezeptor und schaltet das Signal in der Melanozyte auf Eumelanin. Dabei ist es erfolgreicher als ASIP, beta-Defensin gewinnt im Konkurrenzkampf um die Bindungsstellen fast immer, ist also epistatisch über alle A-Allele. Bei dieser Abbildung habe ich übrigens geschummelt, der schwarze Hund ist kein Eurasier, sondern ein Großspitz.
 Mit dem KB-Allel ist ein ganz besonderer Phänotyp verbunden, eine ungewöhnliche Form von Schwarz, die wahrscheinlich nur bei einer bestimmten Kombination von Allelen des A-, E- und K-Locus auftritt: das "verwaschene Schwarz" oder "Grau-Schwarz". Die Rüden Andy vom Römerturm oder Kosan vom Stechersee waren gute Beispiele für dieses vewaschene Schwarz. Um diesen Phänotyp aufzuweisen, muss ein Hund wenigstens ein KB-Allel, ein Ay- oder aw-Allel und einen eher "schwachen" Mc1-Rezeptor aufweisen, beim Eurasier also Fuchsmaske (die bei einem schwarzen Hund natürlich nicht sichtbar ist). Bei anderen Rassen nennt sich dieser Farbschlag "Seal" oder "Bronze" bei hohem Phäomelaninanteil, "Grau-Schwarz" bei niedrigem Phäomelaninanteil.
Links zu sehen ist ein Rüde aus einer Verpaarung zwischen Samojeden-Mutter und einem wolfsfarbenen Eurasier. Er zeigt das "verwaschene Schwarz".

Mitgebracht hat das KB-Allel mal wieder der gute alte Cito, es sorgte damals für reichlich Staunen bei den Züchtern. Denn der weiße Cito brachte mit roten, grauen und schwarz-markenfarbenen Wolf-Chow-Hündinnen fast ausschließlich schwarze Welpen. Zwar hatte es vorher schon schwarze Wolf-Chows gegeben, da einer der drei verwendeten Chow Chow-Rüden, Igor vom Kwy-Chu-Florian, schwarz war, allerdings hatte sich das KB-Allel nicht in der Population gehalten. Nun also gab auf einmal jede Menge schwarze Eurasier und kurzfristig schien es, als wäre dies in Zukunft die einzige Fellfarbe. Doch auf Mendel ist eben Verlass, bereits in der darauffolgenden Generation kamen alle bekannten Fellfarben wieder zum Vorschein. Die Existenz der beiden verschiedenen Formen von Schwarz - dominantes über den K-Locus und rezessives über den A-Locus - war wahrscheinlich nicht ganz unschuldig an der vermeintlichen Unberechenbarkeit der Farbvererbung beim Eurasier. Es konnte nicht festgestellt werden, ob Schwarz nun dominant oder rezessiv vererbt wurde, dass es zwei genetische Varianten von Schwarz bei Hunden gibt, war damals noch kein weitverbreitetes Wissen! Dominantes Schwarz ist beim Eurasier mittlerweile eher selten geworden.
Dominantes und rezessives Schwarz sind im Normalfall nur schwer bis überhaupt nicht voneinander zu unterscheiden, so wie bei diesen beiden Hunden: Der linke Hund ist dominant, der rechte dagegen rezessiv Schwarz.








Die drei Gene Extension, Agouti und Black bestimmten also die Grundfarbe unserer Eurasier, nun geht es an die Feinabstimmung. Der Unterschied zwischen Rot und Falben, bzw. Wolfsgrau und Wolfsfarben liegt ausschließlich in der Menge des gebildeten Phäomelanins. Unglücklicherweise ist über die Phäomelaninsynthese bislang noch nicht sonderlich viel bekannt, welche Gene nun über die Intensität der Phäomelaninausprägung bestimmten, weiß man bis heute nicht so genau. Daher wurde mal wieder eines postuliert - Intense, der I-Locus. Und damit wird die Sache schon ziemlich schwammig, weder weiß man, wieviele Allele vorhanden sind, noch, ob nicht soger mehr als nur ein Gen beteiligt ist. Aus der Zuchtpraxis weiß man nur, dass "viel Phäomelanin" dominant über "wenig Phäomelanin" ist und es sehr oft zu intermediären Phänotypen kommt, bei einer Verpaarung von einem Hund mit viel Phäomelanin mit einem Hund mit wenig Phäomelanin also Nachkommen entstehen können, die im Phänotyp irgendwo dazwischen liegen - nicht so dunkel wie der eine, nicht so hell wie der andere Elternteil. Dies lässt sich mit nur zwei Allelen erklären, I für viel, i für wenig Phäomelanin und damit drei Genotypen I/I (viel Phäomelanin), i/i (wenig Phäomelanin) und I/i (Zwischenform). Solange man sich beim Eurasier im Farbspektrum von Falben bis Rot-Falben bewegt, kommt das oft einigermaßen hin. Doch wenn man die beiden Extreme Dunkelrot und Hellfalben mit einbeziehen möchte, kommt man mit nur zwei Allelen schnell an die Grenzen, kurz gesagt, es haut einfach nicht hin! Ob es sich hierbei um zusätzliche Allele oder sogar ein oder mehrere Gene handelt ist, wie gesagt, völlig offen. So bleibt als Grundregel nur, dass viel Phäomelanin eben dominant über wenig Phäomelanin ist. Verpaare ich einen falbenfarbenen Eurasier mit einem wolfsgrauen Eurasier, so kommt unter gar keinen Umständen etwas rotes oder wolfsfarbenes dabei heraus. Bei einer Verpaarung von Rot und Wolfsfarben dagegen können durchaus falbenfarbene oder wolfsgraue Welpen im Wurf liegen.
Links im Bild sind zwei Hunde der Grundfarbe Rot, einm
al mit viel, einmal mit wenig Phäomelanin und einmal mit schwarzer Maske und einmal ohne Maske. Bei schwarz-markenfarbenen Hunden ist die Intensität nur an den Marken sichtbar, bei einem schwarzen Hund darf man einmal fröhlich raten oder einen Blick auf die Elterntiere werfen. So kann z. B. die Verpaarung Falben x Schwarz durchaus Rot ergeben, wobei der falbenfarbene Elternteil das Ay-Allel für die Grundfarbe, der schwarze Elternteil den hohen Phäomelaninanteil beisteuert. Rechts noch ein Beispiel mit der Grundfarbe Grau, der Unterschied zwischen Wolfsgrau und Wolfsfarben liegt wieder nur im Phäomelaninanteil. Wolfsfarben (oder auch Wildfarben) wird gerne mit Rot einen Topf geschmissen und z. B. Rot-Schwarz genannt, dennoch handelt es sich genetisch gesehen um graue Hunde! Links sind noch einmal die Abstufungen der Phäomelaninintensität zu sehen, die erste Reihe zeigt Hunde der Grundfarbe Rot, die zweite Hunde der Grundfarbe Grau.















Sehr selten werden Eurasier mit brauner Pigmentierung geboren (aktuell ist mir ein einziger Wurf bekannt), d. h., alle Haut- oder Fellbereiche, die sonst schwarz wären, sind bei diesen Hunden eben braun. Schuld daran ist ein rezessives Allel des "Tyrosinase 1 related Protein"-Gens, TYRP1. Als "Brown" oder B-Locus ist es lange bekannt, der Erbgang wurde bereits 1910 beschrieben.
Bei Hunden mit dem Genotyp b/b wird braunes statt schwarzem Eumelanin gebildet, Nasenspiegel, Lefzen, Pfotenballen und Augenlider sind braun, es befindet sich kein einziges schwarzes Haar am Hund un
d oft ist die Augenfarbe aufgehellt. Die genetische Grundfarbe des Hundes bleibt jedoch völlig unverändert. Wie dieses Allel in den Genpool des Eurasiers geraten ist, bleibt bislang völlig ungeklärt, möglicherweise handelt es sich um ein Wolfsspitzerbe. Die beiden Alaskan Malamutes links im Bild demonstrieren noch einmal den Unterschied: beide Hunde besitzen die Grundfarbe grau, der rechte bildet ganz normales, schwarzes Eumelanin aus, der linke jedoch braunes. Lefzen, Augenlider und Nasenspiegel sind braun, die Augenfarbe ist deutlich heller, als beim rechten Hund. Gesundheitliche Risiken gibt es keine, es handelt sich um eine harmlose Farbabweichung. Braune Pigmentierung ist weit verbreitet bei Jagd- und Hütehunderassen, auch viele Spitzrassen können braun pigmentiert sein wie z. B. der Grönlandhund, der Islandhund, der Lapinporokoira und natürlich der Deutsche Spitz.





Die direkte Ursache weißer Abzeichen bzw. Scheckung ist im Prinzip einfach erklärt: sie entstehen dort, wo keine funktionierenden Pigmentzellen vorhanden sind.

Diese werden während der Embryonalentwicklung in der Neuralleiste gebildet und wandern von dort aus u.a. in die Haut am gesamten Körper, die Regenbogenhaut des Auges und ins Innenohr, wo sie ausreifen und sich vermehren. Unterbleibt einer dieser Schritte – Ausbreitung, Reifung, Vermehrung – dann bleiben die entsprechenden Bereiche unpigmentiert.

In der Neuralleiste werden nun nicht nur Pigmentzellen, sondern auch Zellen, die für die Entwicklung von Zähnen, Sinnesorganen und für das Darmnervensystem benötigt werden, gebildet. Die Gene, die hier beteiligt sind, sind richtiggehende „Multitasker“, sie sind an vielen Bildungsschritten beteiligt, beeinflussen also mehr als nur ein einzige Merkmal. Dies nennt man „Pleiotropie“ oder auch „Polyphänie“. Und genau hier liegt der Hund begraben: wenn ein Gen mutiert, welches die Melanozytenentwicklung stört, handelt es sich in aller Regel um einen dieser Multitasker, d. h., sehr oft sind auch andere Zellsysteme von dieser Mutation betroffen. Dieser Zusammenhang ist schon sehr lange bekannt, in „Mammalian Pigment Genetics“ (1965) schreibt Morris Foster: „Das Studium der pleiotropen Wirkung von Scheckungsfaktoren, sowie der Interaktionen zwischen Scheckung und anderen Farbgenen, führt zu der allgemeinen Schlussfolgerung, dass „Weißscheckung oft charakteristisch ist für eine tiefsitzendere Störung von Entwicklung oder Funktion. So überrascht es nicht, dass viele Scheckungsgene bei verschiedenen Tierarten teilweise sehr weitreichende Folgen haben. Bei Pferden kennt man z.B. „Lethal White“. Das entsprechende Gen EDNRB ist nicht nur an der Entwicklung der Pigmentzellen, sondern auch an der des Darmnervensystems beteiligt. Heterozygote Pferde zeigen die Frame-Overo-Scheckung, homozygote sind vollständig weiß und sterben aufgrund der fehlerhaften Entwicklung des Darmnervensystems bereits nach wenigen Tagen an Darmverschluss.

Bei Hunden ist das bekannteste Problem die sensorineurale Taubheit, die durch mangelhafte Pigmentierung des Innenohr entsteht. Denn die Pigmentzellen werden für die Versorgung der Sinneszellen im Innenohr benötigt, ohne Pigmentzellen sterben sie, wenn der Welpe etwa drei Wochen alt ist. Bei der Labormaus kennt man über 100 Scheckunggene, beim Hund kennt man bislang zwei, die an Scheckung beteiligt sind. Eines davon – oder besser, die Mutation eines dieser Gene – kommt sogar nur bei einer bestimmten Famile von Deutschen Schäferhunden vor.

Letzteres ist schnell abgehakt: im Jahr 2000 fiel bei einem amerikanischen Schäferhundzüchter ein Welpe mit großflächigen weißen Abzeichen. Ein sofort durchgeführter Vaterschaftstest bestätigte die Reinrassigkeit des Welpen, Nachbars Struppi fiel als Erklärungsmöglichkeit also aus. Mit diesem Hund wurde weitergezüchtet, die gescheckten Schäferhunde werden als „Panda-Shepherds“ vermarktet. Mittlerweile weiß man, dass es sich tatsächlich um eine de novo, also eine brandneue, Mutation des KIT-Gens handelt. KIT (Tyrosinkinase) ist bei vielen andern Tierarten an Scheckung beteiligt und war auch beim Hund eines der ersten Kandidatengene in Sachen Abzeichen/Scheckung. Diese spezielle Mutation hat nun den unangenehmen Nebeneffekt, dass sie homozygot letal wirkt, reinerbige Embryonen sind nicht lebensfähig und sterben bereits im Mutterleib ab. Daher gibt es auch keine reinerbigen Panda-Shepherds.
Die Vererbung von Scheckung und weißen Abzeichen beim Hund hat Züchter und Genetiker seit jeher vor Rätsel gestellt, es ließ sich einfach kein einheitlicher Modus feststellen. Ein tapferer Versuch von „Fellfarben-Guru“ C. C. Little zur Erklärung von Scheckung hielt sich bis vor wenigen Jahren und wird auch heute noch oft herangezogen, weshalb ich etwas näher auf dieses Modell eingehen möchte: der S-Locus (Self oder Spotting) mit vier Allelen, wieder in absteigender Dominanzreihenfolge:
S – Self, volle Pigmentierung, keine oder nur sehr kleine weiße Abzeichen
si – Irish Spotting, mit wenigen weißen Abzeichen in fest definierten Bereichen (wie z.B. beim Berner Sennenhund)
sp – Piebald, Weißscheckung (Platten oder Mantel, also noch mit einigermaßen großen, vollpigmentierten Bereichen)
sw – extreme-white Piebald, nur kleine oder überhaupt keine voll pigmentierten Bereiche mehr vorhanden, z.B. Dogo Argentino oder Pyrenäen-Berghund.

Den Praxistest hat dieses Modell nie richtig bestanden, es funktionierte nur eingeschränkt, nur bei bestimmten Rassen oder auch überhaupt nicht. Die individuelle Variation soll dabei durch plus- und minus-Modifikatoren gebildet werden: je mehr plus-Modifikatoren, desto mehr Farbe, je mehr minus-Modifikatoren, desto weniger. Auch sollen eben diese Modifikatoren dafür sorgen, dass z.B. ein Hund, der genetisch eigentlich nur si/si ist, dennoch gescheckt sein kann oder ein S/S Hund trotzdem weiße Abzeichen aufweist. Allerdings erkannte bereits Little die Schwächen seines Modell, so erwies sich der Boxer als eine der Rassen, bei der es nicht funktionierte. Und Boxer waren es auch, bei denen es erstmalig gelang, ein Scheckungsgen beim Hund zu identifizieren. Dieses Gen ist MITF, der „Microphthalmia associated transcription factor“, so genannt, weil Mutationen diese Gens bei Labormäusen nicht nur zu Scheckung, sondern auch zu Mikrophthalmie, einer Fehlbildung des Auges, führen. MITF ist einer der wichtigsten Faktoren bei der Regulierung der Funktion der Pigmentzellen. Es steuert nicht nur die Aktivierung verschiedener Gene innerhalb der fertigen Zelle, sondern steuert auch bereits im Vorfeld die Ausbreitung, Reifung und Vermehrung von Pigmentzellen – einer der bereits angesprochenen Multitasker also. Das Modell mit vier Allelen schrumpfte auf eines mit zwei kodominanten Allelen:

S – Wildtyp, normale Pigmentierung und sp – Scheckung. Kodominant bedeutet, dass alle drei Genotypen, S/S, S/sp und sp/sp einen jeweils unterschiedlichen Phänotyp aufweisen: S/S ist nicht gescheckt, S/sp zeigt weiße Abzeichen unterschiedlicher Größe und sp/sp ist voll gescheckt in unterschiedlichem Ausmaße, die Variation reicht vom Mantelschecken (mit sehr viel Farbe) bis zum Extremschecken (vollständig weiß). Gelegentlich kann die Unterscheidung der Genotypen rein anhand des Phänotyps sehr schwer bis unmöglich werden. Auch ist zweifelsfrei klar, dass auch noch andere Scheckungsgene bei Hunden existieren, Irish Spotting wird durch ein anderes Gen gesteuert, es kann zusätzlich und unabhängig von MITF am gleichen Hund vorhanden sein. Collies sind ein gutes Beispiel dafür, sie weisen immer Irish Spotting auf, können aber jede beliebige Kombination an S-Allelen besitzen. Ein Collie mit dem Genotyp S/S hat dadurch immer noch weiße Abzeichen. Collies mit dem Genotyp S/sp besitzen oft schon sehr ausgeprägte weiße Abzeichen, charakteristisch ist ein weißer Streifen entlang der Vorderseite der Hinterläufe, die höher als das Sprunggelenk reichen und ein Hund mit dem Genotyp sp/sp ist gescheckt.

Mit dieser Scheckung ist leider ein Problem verbunden, die sensorineurale Taubheit. Zwar ist nicht jeder extrem weißgescheckte Hund taub, aber das Risiko steigt mit abnehmender Pigmentierung. Bei Extremschecken (also wirklich ohne ein farbiges Fleckchen) liegt der Prozentsatz der ein- oder beidseitig tauben Tiere bei knapp 30%, wobei zwei Drittel auf die einseitige Taubheit entfallen. Als Grundregel kann man festhalten: je mehr Farbe am Hund dran ist, insbesondere im Bereich der Ohren, desto geringer ist das Taubheitsrisiko, wobei man aber nicht verschweigen darf, dass es auch auch (gescheckte) Hunde treffen kann, die eigentlich gut pigmentiert sind. Rassen, bei denen das sp-Allel vorkommt, sind z.B. Dalmatiner, Dogo Argentino, Bullterrier, Boxer, Border Collie, Collie, Sheltie, Samojede, Cocker Spaniel, Basset Hound, Neufundländer, Pudel, Bernhardiner, Papillon, Deutsche Dogge, Akita, Islandhund, Whippet, Chihuahua, Deutscher Vorstehhund (Lang, Kurz und Draht), Großer Münsterländer, Greyhound, Australian Cattle Dog und noch eine ganze Reihe mehr. Diese weite Verbreitung lässt vermuten, dass es sich um eine sehr alte Mutation handelt.

Noch ein paar Worte zum Phänotyp von S/sp und sp/sp-Hunden, dieser kann extrem unterschiedlich ausfallen. Die Gründe dafür sind nicht aktuell noch nicht bekannt, möglich sind z.B. die Modifikation durch andere Gene oder maternale Faktoren. Der eine S/sp-Hund hat nur wenige, kleine Abzeichen, während der andere sehr ausgedehnte Abzeichen haben kann, die von Irish Spotting nicht zu unterscheiden sind. Bei sp/sp-Hunden kann das Ausmaß der Scheckung ebenfalls sehr variieren, von fast ganz weiß beim einen Hund, bis fast vollständig pigmentiert beim anderen. Abzeichen- und Scheckungstypen, die wahrscheinlich nicht oder nicht ausschließlich von MITF gesteuert werden, sind z.B. Irish Spotting, weiße Köpfe/Splitface und weiße Krägen. Nicht vergessen darf man auch, dass Merkmale, die von unterschiedlichen Genen gesteuert werden, natürlich auch gleichzeitig am selben Individuum ausgeprägt sein können. Dies ist ein weiterer Faktor, der die Bestimmung des Genotyps sehr erschweren kann.
Um die Sache noch weiter zu verkomplizieren, müssen kleine weiße Abzeichen nicht unbedingt genetisch bedingt sein. Insbesondere kleine Abzeichen, die relativ zügig nach der Geburt weitestgehend verschwinden, sind oft eher einer verzögerten Entwicklung, als der Genetik geschuldet. Die Ursachen dafür können völlig banal sein, Stress bei der Mutterhündin, eine unerkannte, leichte Infektion, usw. Da diese Abzeichen nicht genetisch sind, sind sie logischerweise auch nicht weiter vererbbar. Das Problem ist nur, dass man natürlich nie wissen kann, womit man es zu tun hat.

Quasi das Gegenteil der nicht genetischen weißen Abzeichen sind Abzeichen, die sehr wohl genetisch sind, aber durch Ticking überdeckt werden oder in der Fellfarbe des erwachsenen Hundes nicht mehr sichtbar sind (z.B. bei hellfalbenfarbenen Eurasiern). Als erwachsene Hunde scheinen sie frei von weißen Abzeichen zu sein, doch in ihrer Nachzucht gibt es auf einmal Schecken! Meist hilft dann ein Blick auf Welpenbilder der Elterntiere, um das vermeintliche Rätsel zu lösen.


Beim Eurasier hält sich das Risiko sehr in Grenzen, da gescheckte Eurasier in aller Regel am Kopfbereich sehr gut pigmentiert sind. Scheckung ist wieder ein reines Samojedenerbe.


"Blau" kommt beim Eurasier meines Wissens nach nicht vor, ist aber eine anerkannte Fellfarbe beim Chow Chow, daher möchte ich noch kurz darauf eingehen. Verantwortlich beim Hund ist ein Gen namens Melanophilin, kurz MLPH, besser bekannt als D-Locus. MLPH kodiert für ein Transporterprotein, welches dafür sorgt, dass die Melanosomen, also die Pigmentkörnchen ihren Weg von der Melanozyte ins Haar oder die Hautzellen finden. Normalerweise werden die Melanosomen dort gleichmäßig verteilt, ist ein Hund aber homozygot für das "kaputte" Allel, Genotyp d/d, dann funtioniert die Sache nicht mehr ordnungsgemäß und die Melanosomen werden nicht mehr gleichmäßig, sondern klümpchenweise verteilt. Es gibt dann im Haar Bereiche, in denen Melanosomen gehäuft vorhanden sind, benachbart von Bereichen, in denen sie dann eben fehlen. Dadurch entsteht der verdünnte, "blaue" Farbeindruck, ein eigenes, blaues Pigment existiert also nicht. Der Effekt ist stärker auf Eumelanin, als auf Phäomelanin, ein schwarz pigmentierte Hund wird dann "blau" oder "charcoal", ein brauner wird "silber" oder "isabell", je nach Rasse.
Mit dem d/d-Genotyp geht oft die sogenannte "Farbmutantenalopezie" einher, auch "Blue-Dog-Syndrome" oder "Color Dilution Alopecia", krz CDA genannt. Die Krankheit bricht im Alter von sechs Monaten bis zwei Jahren aus, die Haare brechen in "blauen" Fellbereichen ab und wachsen nicht mehr nach, die Haut ist trocken und schuppig und neigt zu bakteriellen Infektionen (siehe Bild). Eine Heilung ist bislang nicht möglich. Der d/d-Genotyp alleine ist nicht ausreichend, um CDA zu verursachen, wahrscheinlich ist ein zweites Gen beteiligt. Natürlich entwickelt nicht jeder blaue Hund CDA, der Prozentsatz betroffener Hunde ist stark von der Rasse abhängig.

Diese Hündin ist eigentlich falben-grau, der anthrazitfarbene Nasenspiegel und die hellen Augen verraten jedoch, dass sie tatsächlich "blau" ist.






















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18.03.2017 Neue Seite: Fusselmonstereien
 
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